Absoluter Hammer2 x 2 Goldauszeichnungen von Sky und Wuschelkopf9

Diverses:Der beschwerliche Weg zum Steak

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Sie möchten ein Steak essen?
Selbst hergestellt, aus dem frischen Rind herausgetrennt?
Und natürlich möchten sie dieses köstliche Tier höchstpersönlich zum saftigen Steak verarbeiten, nicht wahr?

Zu Ihrem Entschluss beglückwünsche ich Sie.

Doch haben Sie sich einmal überlegt, wie das geht? Sind Sie sich der Hürden bewusst, die zu überwinden sind? Nein? Dachte ich mir!
Lieber Leser, ich freue mich darum, Ihnen mit diesem Artikel einen Leitfaden für den Weg zum Steak an die Hand geben zu können.
Befolgen Sie diese Richtlinie und dem gesunden Verzehr eines gehaltvollen Stückes gar köstlichen Fleisches
im illustren Freundes- und Bekanntenkreise steht fast kaum etwas im Weg!

Schritt 1 - Sie lesen. Viel.

Nicht ablenken lassen.
Sie haben zu lesen!

Dank Ihrer Eltern wurden Sie in Deutschland geboren. Oder aber Sie hatten die hirnverbrannte Idee nach Deutschland zu ziehen. Wie auch immer: Sie haben in beiden Fällen Pech. Denn wenn es eines in diesem schönen Lande gibt, dann lieber Zeilenstudent (und wenn Sie noch keiner sind, werden sie im Folgenden ganz gewiss zu einem), sind es Bürokratie und Gesetze. Für Sie sind folgende Sammelwerke der deutschen Rechtsliteratur von ganz besonderer Bedeutung:

  • Das Strafgesetzbuch (StGB)
  • Das Tierschutzgesetz (TierSchG)
  • Die Verordnung über Anforderungen an die Hygiene beim Herstellen, Behandeln und Inverkehrbringen von bestimmten Lebensmitteln tierischen Ursprungs. (Tier-LMHV)

Als vorbildlicher Bürger Ihres Landes sind Sie natürlich im Besitz dieser Bücher. Legen wir also los!
Nehmen Sie also bitte Ihr StGB zur Hand und schlagen Sie das Inhaltsverzeichnis auf. Suchen Sie die Seite, auf der die Paragraphen 19 und 20 abgebildet sind, lesen Sie beide und prägen Sie sich dieses Kleinod im deutschen Rechtssystem ganz genau ein! Sie kennen die beiden Auswendig, wissen also, dass Kinder und Schwachsinnige (und schwachsinnige Kinder) immer unschuldig sind? Perfekt! Wenn Sie jedoch selbst dazu zu unfähig sind, sich das zu merken, sollten Sie Ihre Merk- und Lesefähigkeit zuerst nochmal hier üben.
Wenn Sie diese Abschnitte des StGB nun kennen, schlagen Sie Ihr Tiergesetz genauso auf wie zuvor das Strafgesetz. Ganz wichtig für Sie: Der dritte Abschnitt. Und hier darf es nun nicht dabei bleiben, einzelne Einzeiler zu studieren. Vielmehr müssen Sie sich den gesamten Abschnitt zu Eigen machen. Und nicht schum-
meln! Schummelei kann sich im weiteren Verlauf eher ungünstig auswirken. Also für Sie. Als letztes Gesetzbuch, das Ihrem unermüdlichen Wissensdurst zum Opfer fallen muss, nehmen Sie sich nun folgerichtig die Tier-LMHV zur Hand. Nicht nur für Sie persönlich und Ihren Erfolg wichtig ist hier §2a. Erkennen sie die Stolperfalle? Wenn Sie die Schlachtung nicht beim Tierarzt anmelden, dürfen Sie sie nicht durchführen. Das sollten Sie sich merken. Doch keine Sorge, die Veterinärskunst wird in einem späteren Abschnitt nochmals behandelt.

Schritt 2 - Sie lernen schlachten oder kennen jemanden, der das kann

Nun denn, Sie stehen schon jetzt, zu diesem frühen Zeitpunkt Ihrer Reise, vor einem Scheideweg! Sind Sie nicht zufälligerweise der Freund eines Showmasters oder eines anderen Fleischereibediensteten, bleibt Ihnen nichts anderes über, als zwei bis drei Jahre Ihres Lebens damit zu verbringen, wie Sie das begehrte Stück Fleisch aus dem Rind herauszutrennen haben.
Beginnen wir wieder damit, zu lesen. Noch mehr. Ich weiß, ich weiß. Sie sind mörderisch genervt. Aber genau darum geht es Ihnen doch, nicht wahr? Tiere morden, um Nahrung zu erhaschen. Sehen Sie, für die richtige Stimmung wurde unterbewusst längst gesorgt. Um sie zu steigern, empfehle ich Ihnen hiermit offiziell die Verordnung über die Berufsausbildung zum Fleischer. Ich lade Sie, lieber künftiger Fleischerlehrling, herzlich dazu ein, sich vor allem § 4 dieses Kataloges deutscher Gesetzeskunst einzuverleiben: 17 leckere Punkte, was Sie bald alles können werden. Nunja, so Sie denn geneigt sind, diesen Beruf zu erlernen. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute ist: Nur Punkt neun, zwölf, 13, 14, 15 und 17 sind für Sie nun wichtig. Konzentrieren Sie sich! Zu Ihrer Unterstützung habe ich Ihnen diese wichtigen Punkte einmal aufgeschrieben:

  • 9. Handhaben von Anlagen, Maschinen und Geräten
    Resteverwertung? Bitte!
  • 12. Beurteilen, Zerlegen und Herrichten von Schlachttierkörpern und -teilen
  • 13. Herstellen von Koch-, Brüh- und Rohwurst
  • 14. Herstellen von Pökelware
  • 15. Herstellen von Hackfleisch
  • 17. Herstellen küchenfertiger Erzeugnisse.
Warum nun ist das alles wichtig, werden Sie sich - zurecht! - fragen. Und die Antwort ist: Wollen Sie, lieber Verschwender, tatsächlich alles um das gewünschte Steak herum befindliche verwerfen? Natürlich nicht! So ein Schlachtvieh kann, bei richtiger Ressourcennutzung, die gesamte Familie einen ganzen Monat lang ernähren. Und länger! Aufgrund Ihrer vorzüglichen Kontakte können Sie sogar noch einen kleinen Gewinn machen, liebes Finanzgenie! Verkaufen Sie einfach das Horn und das Fell an die texanische Automobilindustrie. Kennen Sie jemanden, der all das weiß? Oder zumindest sind Sie durchtrieben genug, all das freiwillig zu lernen, nur um das gewonnene Wissen ohne Berufsabschluss anzuwenden? Sie Schlingel, Sie! Warum zum Teufel haben Sie Schweinehund das nicht sofort gesagt? Meine Gratulation zu dieser Einstellung (oder Ihrem Bekannten), auch wenn ich Sie nun ein wenig hasse. Bitte, lieber Konspirateur! Lesen Sie im nächsten Abschnitt weiter, wenn es darum geht, das richtige Tier zu wählen. Nach diesem Marathon des Foliantenstöberns steht fest: Sie haben es sich verdient.

Schritt 3 - Die Wahl des Tieres

Trotz (oder gerade aufgrund) der bisherigen Schwierigkeiten, die sich Ihnen offenbarten, haben Sie sich also dazu entschlossen, ein Tier zu (z)erlegen. In diesem Schritt geht es nun um die grundsätzliche Beschaffung des entsprechenden Schlachtviehs. Doch Obacht! Auch hier stecken die kleinen Teufelchen List und Tücke. Und natürlich wieder im Detail. Sie möchten ein leckeres echtes Steak, also lassen Sie sich nicht über den Ladentisch ziehen.
Betrachten Sie die folgenden Bilder.

Das ist das Tier Ihrer Begierde. Man nennt es Rind. Aus seinem Fleisch wird Ihr karnivorer Genuss gewonnen. Ein gewitzter Ökonom vermag das Talent zu besitzen, Ihnen ein anderes Tier in Verkleidung verkaufen zu wollen. Lassen Sie sich nicht täuschen! Betrachten Sie die Bildreihenfolge nochmals genau! Sehen sie die fiese Falle? Wenn nicht, sollten Sie diesen Menschen aufsuchen. Bevor Sie dies tun, lieber Einkäufer, versichern Sie sich bitte zusätzlich, dass der Bauerntrottel nicht so großer Trottel ist, wie Sie vermuten. Lassen Sie sich bescheinigen, dass das Tier, welches Sie zu erwerben gedenken auch gut und gesund ist. Denn bei Tieren gilt gleiches wie bei den Insassen der US-Amerikanischen Todestrakte: Was nicht gesund ist, wird nicht gebraten.
Doch lenken Sie Ihr Augenmerk bei dieser Gelegenheit auf die folgende Graphik. Sie werden sie wiedererkennen sehr geehrter, staatlich anerkannter (oder doch unerkannter) Fachmann fürs Fleischereiwesen:

Kuhbereichszerlegung.png
Franzoesische Worte.png


Sicher haben Sie mein Rätsel rechts des Bildes gefunden. Zu Ihrem und meinem Vergnügen habe ich die Nummerierung vergessen und die Begriffe in Französisch gehalten.Ob es eine richtige Lösung gibt? Aber sicher doch! Versuchen Sie es doch einmal ohne das Lösungsbuch. Sie schaffen das schon! Diese kleine Herausforderung sollte Ihnen nicht schwer fallen.
Apropos Herausforderung! Wenn Sie dies gefunden haben, haben Sie eine weitere gemeistert und sich somit das Recht verdient, dem folgenden Link zu Folgen! -->

Schritt 4 - Das richtige Tier am richtigen Ort

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben den Trick des Bauern erkannt und sich keinen Bären aufbinden lassen, sind nun stolzer Besitzer eines Rindes. Doch Moment - haben Sie sich denn Gedanken darüber gemacht, wie Sie nun das Tier nach Hause bringen wollen? Na, haben Sie? Mein lieber Tierverschieber. Bitte sagen Sie mir, dass Sie diesen Schritt haben kommen sehen. Ich nenne dies gerne "Offensichtliche Hürden, die gar keine sind, weil sie nunmal offensichtlich sind, denn man kann sie ja kommen sehen, so offensichtlich sind sie". Ein langer Satz, gewiss. Doch ein offensichtlicher. Genauso vorhersehbar wie das, was nun folgt.
Viele Möglichkeiten stehen Ihnen offen, ein Tier - in diesem Fall Ihr geliebtes Rindviech - von A nach B zu transportieren, doch nur eine ist die richtige.

  • Sie wollen auf dem Tier nach Hause reiten? Dann ist dies Ihr Weg. Viel Spaß!
  • Sie spannen es vor einen Karren um sich ziehen zu lassen? Gerne doch.
  • Sie beabsichtigen, das Rind durchs Dorf zu treiben? Auch eine Möglichkeit, aber nur bedingt verfolgenswert. Außerdem nicht gerade einfach, wenn Sie aus der großen Stadt ins Dorf aufbrachen, das Tier zu kaufen.
  • Sie sind Superman und können das Tier nach Hause fliegen. Natürlich sind Sie das. Fliegen Sie doch bitte vorher hier kurz vorbei, die freundlichen Helfer vor Ort haben da noch etwas mit Ihnen zu besprechen.

Dankenswerter Weise habe ich die richtige Antwort für Sie hier schon einmal vorbereitet: Sie haben sich beim Landwirtschaftskraftfahzeugverkäufer eine Huftierbox auf Rädern geleast, in welcher das Huftier nun ungestört und unbeschwert die letzte Heimreise antreten kann. Letzte Heimreise. Erkennen Sie den Witz? So Sie sich dieses Anhängergefährt noch nicht zugelegt haben, gehen Sie bitte zuerst hier entlang. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie, lieber Ignorant offensichtlicher Tatsachen, gar keine Anhängerkuppel an Ihrem Auto haben.

Schritt 5 - Die Wahl der Örtlichkeit

Wieso die Örtlichkeit neu wählen? Wieso nur?! Schließlich haben Sie sich die Mühe gemacht, das Tier zu sich nach Hause zu bringen! Und es steht gewiss nicht in Ihrem Wohnzimmer. Falls doch, ist dieser Absatz in mehrerlei Hinsicht verstörend für mich und wichtig für Sie, lieber Wohnraumfetischist. Steht das Viech wirklich im Wohnzimmer? Ehrlich? Bitte nicht vergessen: Wir sprechen von dem Tier. Nicht Ihrer... aber was rede ich denn da! Zurück zum Thema! Örtlichkeit. Genau. Natürlich spreche ich vom Ort der Schlachtung, der Todeskammer. Was bietet sich da besser an, als Ihre Garage?
Also schnell ausräumen, die Automobilabstellkammer und raus mit dem Fahrzeug. Sie brauchen Platz! Viel Platz! Ihren vielen Platz. Sollten Sie glücklicherweise im Besitz einer Scheune sein, erübrigt sich natürlich der Arbeitsschritt des Garagenausräumens. Doch wenn Sie die Lust verspüren sollten, auch die Garage mal wieder aufzuräumen; nötig hätte sie es, Sie Schmutzfink!
Nun liegt es also an Ihnen: Die Garage? Die Scheune? Oder vielleicht doch im Freien? Wozu hat man denn einen großen, weitläufigen Garten voller Skulpturen? Wenn man denn einen hat. Haben Sie? Sie, als reicher Villenbesitzer mit einem Grundstück von 24 Morgen müssen sich doch hier keine Sorgen machen. Ent oder Weder, Sie haben die Wahl! Ich kann es erkennen, lieber Entscheidungsträger. Sie sind unentschieden. Lassen Sie mich darum doch nochmal für Sie einen kleinen Überblick schaffen: In der Garage ist es schmutzig, also ist auf- und ausräumen nebst einer Putzaktion angesagt. Die Scheune wäre schön groß, dafür aber nicht in Ihrem Besitz, wenn Sie Villenbesitzer sind. Sie sind Villenbesitzer? Stichwort: Großer Garten. Viel freie Fläche für viel totes Tier. Bedenken Sie: Viel Fläche bedeutet auch viel Platz für mögliches Publikum. Eine zu Hause stattfindende Rindstötung ist ja nichts Alltägliches und will im Kreise der liebsten durchaus zelebriert sein.

Schritt 6 - Jetzt geht's rund!

Timmy-Double (9).
Gut erkennbar: Holzhammerersatz.

Nochmals herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Entschluss, endlich Nägel in Köpfe zu machen. Doch ist das auch der richtige Weg? Wir werden sehen...
Laut dem Tierschutzgesetz muss das Tier betäubt sein und von einem fachlich versierten Menschen getötet und zerlegt werden. Und da Sie sich aufgrund Ihres dezent hohen Intelligenzquotienten dafür entschieden haben, Ihrem Bekannten aus der Metzgerei diesen Part zu überlassen, stehen Sie vor einem nicht zu unterschlagenden und somit doch schon erwähnenswerten Hindernis. Ich überbringe nur ungern schlechte Neuigkeiten, aber der ist tot. Autobahn, Massen-
karambolage, viel Explosion, wahrscheinlich ein Al Quaida Terrorist aus dem Ausland. Sowas kann passieren; da steckt man nicht drin, wie ich immer zu sagen pflege. Was tun, was tun, was tun, was tun? Verzagen Sie nicht, erinnern Sie sich!
Nachdem Sie sich nun davon vergewissert haben, dass Ihr schwachsinniger Nachbar leider nicht zu Hause ist, bleibt die kindliche Alternative. Rufen Sie doch mal den kleinen Timmy (9), diesen Sohnemann par excellence. Zwar gibt es ein paar Kleinigkeiten, die noch zu beachten wären, diese dienen aber der Sicherheit. Oder wollen Sie, dass der kleine Racker sich verletzt und womöglich das schöne Fleisch mit seinem Blut verschmutzt? Folgende, im Alltag immer wieder gebräuchliche Küchenausstattung sollte er tragen: Gummistiefel, eine Schürze, eine Daunenjacke (falls es kalt sein sollte), ein Zylinder (als Kopfschutz), eine Hosentasche (zur Aufbewahrung der Messer), mehrere Messer, Kettenhandschuh und Kettenschürze zum Schutz vor Messerunfällen. Haben Sie die noch Kinderritterrüstung vom Vorjahres-Halloween? Die reicht sonst auch. Zur Betäubung des Rindes benötigen Sie zudem ein Betäubungs-
mittel. Hier reicht in der Regel ein Holzhammer oder ein Baseballschläger. Sogleich kann Timmy sich umgeziehen und anständig loslegen. Was ein Spaß für den Schlingel! Und sehen Sie, wie schön er mit dem Blut auf dem Boden malt. Niedlich. Wie stolz Sie doch sein müssen, lieber Erziehungsberechtigter!

Schritt 7 - Veterinäre und andere Tierärzte

Ihr Rind ist zerlegt, in zwei bis vier Hälften aufgespalten. Die Innereien sind wohlweislich in dafür vorgesehene Behältnisse verpackt, der Darm ist schon mal gesäubert und der Mageninhalt in die Autobatterie entleert. Denn Timmy (9) ist schlau: Da ist nämlich auch Säure drin. Zudem ist das Fell fertig für die Gerberei, Ihr örtlicher Lieblingslederfabrikant hat gewiss schon Interesse angemeldet. Oder etwa doch nicht? Jetzt kümmern Sie sich doch mal! Somit beginnt der offizielle Teil.
Nachdem Sie in Schritt 1 bemerkten, dass ein Kontrolleur von Nöten ist, haben Sie den zuständigen Bezirksveterinär verständigt und ihn zum Schlachttermin geladen. Der Doktor ist vor Ort bei Ihnen zu Hause (wir erinnern uns: Garten, Garage, Scheune) und beginnt sein Tagwerk. Frisch alkoholisiert begutachtet er die Organe des Tieres, seine mittlerweile abgezogene Haut und das zur Zubereitung ausgewählte Fleisch. Er nimmt Proben von Blut und anderen Körperflüssigkeiten wie z.B. dem Liquor, entnimmt Gewebeproben und Gehirnstückchen. Regelrecht beschriftet und verpackt von einem Boten an das zuständige Labor verbracht, sind die entwendeten Bestandteile des Tieres nun dem Gutdünken der Laboranten ausgeliefert.
Veterinäre. Das sind aber auch Tierärzte!
Dass dies keine Angelegenheit von Minuten oder Stunden ist dürfte auch Ihnen, lieber veterinärmedizinisch unbedarfter Beobachter, klar sein. In der Zwischenzeit möchten Sie aber natürlich erfahren, warum dieser gescheiterte Dentalmediziner diesen Beruf ergriffen hat den Kadaver untersuchen muss. Erfreut, dass ihn endlich jemand auf sein Fachwissen anspricht, zählt er die gängigen, für den Menschen bedrohlichen Krankheiten auf, die in einem Bos primigenius taurus mitgeliefert werden können:
  • Pansenazidose - Kann den Tod des besten Freundes des Menschen verursachen
  • BSE - Prominentester betroffener: Danny Crane
  • Die Kriebelmücke - Verzehrt man sie, bewohnt sie einen.
  • Maul- und Klauenseuche - Isst man den Erreger, ist er ungefährlich. Es sei denn, man ist ein Huftier.
  • Milzbrand - Verfassungsschutzbesuch nicht ausgeschlossen
  • Neurobrucellose - Da brutzeln die Nerven!
  • Morbus Koch - Nein, nicht die Zubereitung

Schritt 8 - Wartezeiten

Sie haben also dem Bezirkstiermedikus den Zugang zu Fleisch und anderen Bestandteilen Ihres Schlachtgutes gewährt. Er hat seine Tests durchgeführt und Proben ins Labor entsandt. Sie stehen einmal mehr an einer Kreuzung, lieber Tierschutzgegner. Denn warten, soviel ist sicher, ist nicht jedermanns Sache. Ist es Ihre? Doch Ihr nächster Schritt will wohl überlegt sein...

Zwischenschritt 8.1 - Wartezeiten einhalten

Sie haben sich also dazu entschieden, das Urteil des Tierarztes abzuwarten und den Labortests die Zeit zu geben, die sie brauchen. Ich bewundere Ihre Geduld und Ehrlichkeit. Dieses Verhalten zeigt, dass Sie ein rechtschaffener Bürger ohne forensisch verwertbaren Hintergrund sind. Ihr Führungszeugnis weist gewiss Fleißsternchen für das Melden von Bösewichten auf, nicht wahr? Oder haben Sie einfach nur (berechtigterweise) Angst vor gesundheitlich bedenklichen Keimen, die sich in so einem Tier tummeln können? Bitte? Wo der Tümmler ist? Ich spreche nicht von Delphinen, sondern von den schon erwähnten Viren und Bakterien, lieber Wortakrobat!

Zwischenschritt 8.1a - Wartezeiten umgehen

Super Entscheidung. Entweder ist Geduld nicht gerade Ihre Stärke oder der Freundes- und Bekanntenkreis ist schon versammelt und hungrig. Was auch immer der Grund für Ihre Wahl ist, die Wartezeit bis zum Erhalt des laboratorischen und veterinärmedizinischen Gutachtens abzuwarten, er hat in Ihrem Verständnis von Intelligenz seine Daseinsberechtigung. Lieber nur schwer zu beeinflussender Zeitgenosse, ich honoriere Ihre Hingabe an kurzfristige und unüberlegte Konklusionen. Ob Ihre Schlußfolgerung nun gut war oder nicht wird sich zeigen. Wenn auch schon obsolet (denn Ihre Entscheidung steht), ein Wort zur Warnung: Prozeß.

Schritt 9 - Die Erlaubnis oder das Verbot

Das Labor hat geprüft, das Labor hat getestet. Alleine schon, dass Sie diesen Abschnitt lesen zeigt mir, lieber gesetzestreuer Bürger, dass Sie sich an die Wartezeit gehalten und die Zeit mit dem Veterinärmediziner genossen haben. Haben Sie nicht? Sie haben Ihn gekonnt ignoriert und seinen Rat in den Wind geschlagen, nicht wahr, Sie Windhund? Dann lesen Sie bitte hier weiter.
Falls Sie jedoch nicht nur dem Arzt hörig sind sondern auch Geduld bewiesen haben, studieren Sie diese Zeilen genauer. Denn es ist kann unter Umständen sein, dass Sie das Tier gar nicht essen dürfen. Oder zumindest in ihrem Eigenen und dem Interesse anderer nicht sollten. Das ist genau dann der Fall, wenn eine der zuvor genannten Krankheiten oder Parasiten in dem von Ihrem Sohn geschlachteten Tier gefunden wurden. Die Erreger, also Viren, Bakterien und Parasiten, könnten sich im Zuge des Verzehrs nämlich auf Sie und Ihre Gäste übertragen und gar fürchterliches anrichten. Glauben Sie mir, lieber Mikrobiologieignorant, ich übertreibe nicht.
Sollte es sich also so begeben, dann rate ich Ihnen dringend, lieber Wiederholungstäter, sich ein neues Tier gleicher Bauart zuzulegen und den Gesamtprozess zu wiederholen. Oder aber Sie gehen an die Frischetheke Ihres Supermarktes und kaufen sich das Steak ohne das Tier Drumherum. Zugegeben, das macht natürlich nicht annähernd soviel Spaß wie eine Hausschlachtung, wie Sie nun bestätigen können. Und die Garage ist ja auch schon sauber.

Schritt 10 - Die Wahl und die Zubereitung

Die Wahl der Qual

Fleischfreund! Es ist soweit. Sämtliche Untiefen sind umschifft, das tote und zerteilte Tier zur Zubereitung bereit. Man kann schon das glänzen in den Augen sehen. Also nicht nur in Ihren und denen des kleinen Timmy. Sondern auch in den Augen des geschlachteten Rindes. Ernsthaft: Die glänzen schon. Ich rate dringend davon ab, sie jetzt noch zur Nahrungsaufnahme zu verwenden. Doch das sind nicht die einzigen Bestandteile des Tieres, die Sie aufbewahrten. Sehen Sie sich um. Sie haben Kuh. Eimerweise! Was wird nun aus all diesen (Un)Köstlichkeiten? Das liegt an Ihnen, lieber kulinaristisch begeisterter Mitfieberer! Betrachten Sie hierzu bitte zuerst die folgende Tabelle.

Organ Endprodukt
Augen Abfall
Bauchlappen Ragout, Rollbraten, Rinderhack
Blase Tabakbeutel
Blut Blutwurst
Brust Brustbraten, Pastrami, BBQ, Rinderhack
Darm Rindswurstschutzumschlag
Filet Chateaubriands, Medaillons, wertvolles Rinderhack
Hals Suppenfleisch und Gulasch, Rinderhack
Haut Autositz, Schuhe, Geldbörse
Horn und Hufe Trinkgefäß, Schlachttrophäe, Automobilzier
Hüfte Tafelspitz, teures Rinderhack
Knochen Seife und Kerzen
Leber Leberwurst
Magen Kutteln, Hundefutter
Ohren Hundefutter
Oberschenkel, hinten Schinken, Schnitzel
Schädel Jagdtrophäe, Wohnzimmerschmuck
Schwanz Pseudo-Ochsenschwanzsuppe
Querrippe Gulasch, Schmorbraten, Rinderhack
Wade Beinscheibe, Rinderhack
Zähne Halskette, Anhänger
Zunge Zungenwurst, interessant schmeckendes Rinderhack
Sämtliche Reste Wurst, Wurstbrühe, Leberwurst

Das sind alles gar köstliche Köstlichkeiten, nicht wahr? Aber bevor wir weiter abdriften, kommen wir doch besser zurück zum Thema: Das Steak. Für Sie, als geschultem Steakgrillmeister, sind folgende Teile des Rindes von ganz besonderer Bedeutung:

  • Die Hochrippe (Nr. 4 in der Übersicht)
  • Das Zwischenrippenstück (Nr. 15 in der Übersicht)

Aus der Hochrippe, lieber Schneidefreund, gewinnen Sie ausschließlich das Rippenaugensteak. Einfach lächerlich, die deutsche Übersetzung. Keepen wir es real: Ich spreche vom Rib Eye Steak. Das Zwischenrippenstück hingegen ist Quell mannigfaltiger Fleischfreuden. Die aus diesem Stück Tier gefertigten Steaks nennen sich Entrecôte, Rumpsteak, T-Bone-Steak, Porterhouse-Steak und Sirloin-Steak. Und alle sind sie lecker.

Von Steinkreisen und vom Grill

Freudig überreiche ich Ihnen hiermit, sehr geehrter Freund der gepflegten Tierverspeisung, feierlich das Feuerzeug. Denn eines ist klar, weder bereiten Sie das Steak auf einer Cerankochplatte noch auf einem elektrischen Grill zu. Wer Steak will, muss Feuer spüren. Und Sie haben die freie Wahl: Ein selbstgemachtes Lagerfeuer mit selbstgezimmertem Dreibein nebst Kette und Rost, ein herkömmlicher Holz-
kohlegrill oder auch ein Gasgrill. Die drei Möglichkeiten sind fast unendlich. Was Sie, verehrter Gaumenfreund, über die einzelnen Möglichkeiten wissen und beachten sollten? Schauen Sie her:

Herkömmlicher Holzkohlegrill
Plus.svg Große Auswahl, viele verschiedene Modelle; von billig bis teuer alles vorhanden; kann mit Spiritus und Holzkohle befeuert werden.
Minus.svg Billige Modelle strömen Krebs erzeugende Beschichtungen ans Grillgut ab und müssen ggfs. nach der ersten Benutzung entsorgt werden; gemauerte Version (teuer!) benötigt lange Montagezeit; kann mit Spiritus befeuert werden

Gasgrill
Plus.svg Einfach zu bedienen; brennt auch ohne Kohle; keine Gefahr der Spiritusentzündung
Minus.svg Könnte explodieren; wenn das Gas alle ist, ist der Grill nutzlos; hohe Kosten für Gasflasche und Nachfüllung; Zusatzkosten für Holzkohle nicht ausgeschlossen

Selbstgezimmertes Dreibein nebst Kette und Rost über einer durch Steine abgesicherten Feuerstelle
Plus.svg Geringe Anschaffungsgebühr; schnelle Montage; muss nicht gesäubert werden; kann man auch vergraben; metallene Bestandteile auf jeder Baustelle erwerbbar.
Minus.svg Nichts für handwerklich Unbegabte; Steine können schwer sein; braucht Holz; Pfadfinderkenntnisse von elementarer Bedeutung; in urbanem Gelände eher unsachgemäß.

Gutgemeinte Zubereitungshinweise

Lieber Pyromane! Jetzt, da das Feuer brennt oder zumindest der Grill seine Betriebstemperatur erreicht hat, möchte ich Ihnen die Bedeutung der Garstufen nahe bringen. Sie mögen das vielleicht als Unwichtig abtun. Aber glauben Sie mir: Wenn der Engländer sein Steak bestellt und es ist durch, wird Ihr Gesicht sehr schnell Bekanntschaft mit dem Sattel haben, den Sie servierten. Also aufgepasst:

  • Raw: Dieses Fleisch ist Roh, hat nie Freundschaft mit Feuer oder Hitze geschlossen. Besonders beliebt bei Löwen und Tigern.
  • Blue Raw: Nachdem Sie das Fleisch dem Feuer kurz vorstellten, ist diese Garstufe erreicht. Und für den fleischlich unterbelichteten sehr deliziös.
  • Rare: Auch 'Blutig' oder 'Englisch' genannt. Zur Feststellung dieses Gargrades das Steak einfach mit dem Antlitz eines inselstämmigen Hooligans vergleichen.
  • Medium Rare: Für Unentschlossene. Blutig (innen) und unblutig (außen) zugleich, bietet diese Variante alles, was ein Steak zu bieten haben kann.
  • Medium Well: Der beliebteste aller Steakzustände. Außen knusprig, innen zart und rosa.
  • Well Done: Well done, Cowboy! Ihre Schuhsohle ist nun fertig und wartet auf nur noch darauf, getragen zu werden.


Aus Gründen der Saftigkeit sollten Sie die obligatorische Fleischkontrolle nicht per Schnitt ins brutzelnde Fleisch vornehmen; ein gerne gemachter Fehler. Überprüfen Sie die Konsistenz des Steaks mit Ihrem Daumen! Drücken Sie auf das Fleisch. Je weicher das Steak und je tiefer Sie mit Ihrem ungewaschenen Digitus in ihm herumbohren können, desto roher ist es.

Schritt 11 - Die Frage nach der Richtigkeit

Schauen Sie nur! Fast haben Sie es geschafft, fast ist Ihr Ziel erreicht. Doch da fehlt doch was...?! Ja was denn? Passieren wir den Gesamtvorgang Revue: Sie haben gelesen und gelernt. Eingekauft und transportiert. Sie haben getötet oder (was wahrscheinlicher ist) von Ihrem Sohnemann töten lassen. Sie konsultierten einen Arzt, entfachten ein Feuer, garten Fleisch. Sehen Sie, was fehlt? Ich kann es erkennen. Die möglicherweise anwesende Bekanntschaft sowieso. Na? Nichts? Kommen Sie, Sie können das! WAS FEHLT? Denken Sie nach! Womit verfeinert man denn so ein Stück köstlichen Fleisches? Möglicherweise nimmt man ja Fenchel. Oder Kardamon. Oder Pfefferminz. Glauben Sie mir, lieber Gewürzgartenbesitzer: Wenn Sie auch nur einer einzigen dieser Antworten zustimmten, sollte man Sie des Lebens verweisen. Genau darum ist nun Vorsicht geboten. Welche Würzvariante solls denn sein? All der Aufwand, all die Vorbereitung kann mit nur einem falschen Handgriff Zunichte gemacht werden. Was wählen Sie?

Falsch, ganz falsch! Zurück zum Anfang!
  • Die schon angesprochenen Gartenkräuter? Sie wissen, was dann passiert.
  • Zigeunersoße? Ihr Fest ist vorüber.
  • Knoblauchsoße? Sie Barbar!
  • Senf oder Senfsoße? Sind sie etwa ein Franzosé? Hinfort!
  • Ketchup? Sie haben sich soeben zum Proletarier zurück entwickelt. Bitte nehmen Sie diese Ausfahrt.
  • Steaksoße? Fast richtig, falls Ihr Geburtsland die USA sind.
  • BBQ-Sauce? Kann man gelten lassen.

Oh Moment! Was tun Sie denn da? Sie entnehmen die Sauce nur dem Kühlschrank um sie wegzuwerfen? Ihre Wahl. Nehmen Sie nun das Meersalz zur Hand um das Fleisch nur mit ein wenig des Salzes zu würzen, haben Sie zumindest meine Sympathie. Somit darf ich Sie bitten im nächsten Schritt weiterzumachen:

Schritt 12 - Bitte genießen Sie... ... Jetzt!

Sie haben also alles richtig gemacht. Ihr Fleisch ist blutig (oder auch nicht) und leicht gesalzen (oder versoßt). Nun essen Sie schon, bevor es kalt wird. Nehmen Sie sich auch gerne die Freiheit, das Fleisch mit Brot oder anderen Beilagen zu genießen! Und vergessen Sie nicht, sich ein gutes Alkoholgetränk dazu einzuschenken. Nicht, dass Sie mir noch verdursten! Ich und meine Kollegen von der Ratgeberfront wünschen Ihnen einen

Guten Appétit!


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Dieser Artikel aus den Namensräumen „Diverses“ oder auch „Spiegelwelten“ besitzt aufgrund seiner Qualität die Urkunde „Schatzkistentauglich“ und wird daher im Portal Rumpelkiste gelistet.
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