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Diverses:Der Erbsenkönig

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Der Erbsenkönig

Wer reitet so spät? durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater ohne sein Kind.
Denn er hat die Gefahren schon erblickt
und den Knaben per Post vorausgeschickt.

"Mein Pferd, was birgst du so bang dein Gesicht?"
"Siehst Reiter du, den Erbsenkönig nicht!
den Erbsenkönig ganz grün und rund?"-
"Du dummer Gaul der ist doch bunt!"

"Du liebes Pferd, komm geh mit mir!
Gar viel zu fressen geb' ich dir,
manch süße Äpfel sind an dem Strand,
sie werden gereicht von lieblicher Hand."

"Mein Reiter, mein Reiter und hörest du nicht,
was Erbsenkönig mir leise verspricht?"
"Lauf ruhig, bleibe ruhig mein Gaul,
sonst stopf ich dir dein großes Maul!"

"Willst feines Pferd du mit mir gehen?
Meine Stuten sollen dich warten schön,
meine Stuten führen den nächtlichen Rhein
und wiegen und tanzen und singen dich ein."

"Mein Reiter, mein Reiter und siehst du nicht dort
Erbsenkönigs Stuten am düsteren Ort?"
"Halt dein Maul du fauler Gaul,
sonst stopf ich dir gleich wirklich dein großes Maul!"

"Ich liebe dich, mich reizt dein schönes Fleisch,
ich werde dich essen mit viel Gekreisch.
Ich werde dich mästen ganz dick und rund,
dann passt du besser in meinen Schlund!"

Das Pferd bricht zusammen, der Vater fliegt hoch,
er landet mitten auf seinem Hof.
Überall war es blutrot.
Der Knabe lebt, das Pferd war tot.

Eine Ballade von Johann Wolfgang von Goethe