Architektentümpel

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Der sogenannte Architektentümpel ist ein städtebauliches Stilmittel, das gerne dazu genutzt wird, den äußeren Eingangsbereich größerer Bauwerke interessant und ansprechend erscheinen zu lassen und die Wichtigkeit sowie die gewünschte immense Bedeutung des Gebäudes besonders herauszustellen. Außerdem soll damit die Wiedererkennbarkeit des Gebäudes und die Wiederauffindbarkeit der Adresse gefördert werden.

Ganz früher,[Bearbeiten]

..als man noch Wassergräben um seine Burgen brauchte, um sich vor Angreifern und Eindringlingen zu schützen, hätte man angesichts des Riesenaufwands sicher gerne auf die Mühe verzichtet. Aber leider war das damals zusammen mit der sehr hohen Mauer, den Zinnen und den Wacht- und Pulvertürmen halt der geltende Sicherheitsstandard. Heute ist so etwas eigentlich nicht mehr nötig. Dennoch planen Architekten gelegentlich ein grabenartiges Gewässer in ihre Projekte mit ein - aus rein ästhetischen Gründen.

Damals,[Bearbeiten]

..als es unter den Architekten noch wahre Künstler und unter den Bauherren noch wahre Liebhaber herausragender Baukunst gab und als noch nicht der Preis für jeden einzelnen Stein bei E-Bay gestalkt und die Baufirmen noch nicht nach dem niedrigsten Stundenlohn ausgewählt wurden, sondern noch jeder wusste, dass gut Ding Weile haben will und ein extravaganter Geschmack seinen Preis hat; damals strahlten Bauwerke noch allein durch ihre schiere Erscheinung eine ganz eigene Präsenz und Erhabenheit aus. Man denke nur an ungefähr alle Döme, größere Kirchen oder Regierungspaläste, die schon vor dem zweiten deutschen Wahnsinn existierten. Gemeint sind also nur Kirchen, die einen Kirchturm haben und nicht zu Mahnzwecken als Kriegsruine stehenbleiben mussten. Und auch das Bonner Wasserwerk sei hier definitiv ausgeschlossen.

Der Preisdruck[Bearbeiten]

..ist also hoch und zusammen mit dem Sparwahn Schuld am Verfall der Baukunst. Wenn es nun am Ende aus welchen Gründen auch immer nur ein stinknormaler, aber funktionaler, rechteckiger Stahlgerippeturm mit einer dezent verspiegelten Glasfassade geworden ist, dessen aufwändig zusammengeklebtes Modell der verhinderte Weltengestalter seinen Auftraggebern präsentiert, dann ist der Architekt traurig, weil er auch mit diesem Schuhkarton nicht in die Geschichte eingehen wird, so groß und wichtig der Kasten auch erscheinen mag.
Um im hart umkämpften Haifischbecken der Baulöwen den lukrativen Auftrag trotz des schlichten Erscheinungsbildes seines gigantischen Büroaquariums an Land zu ziehen, muss er also einen Eye-Catcher schaffen - einen Hingucker, der über die billig scheinende Schlichtheit hinwegtäuscht und mit dem er die Geldgeber davon überzeugt, dass es eine tolle Idee wäre, auf Grundlage dieses Pappmodells mit Plastikfassade und Bäumchen aus dem Eisenbahnmodellbauladen einen gigantischen Bürokomplex zu machen, dem völlig zurecht etliche Jugendstilmietshäuser und ein paar Gründerzeitvillen zum Opfer fallen dürfen.

Die Lösung[Bearbeiten]

..ist nah. Die ultimative Möglichkeit für Architekten und solche, die es mal werden wollen bietet sich mit einem Teich, der sich direkt vor der pompösen Eingangstür ausbreitet. Hier kann man sich so richtig schön einen abspielen, als hätte man es mit Lego Technik zu tun. Eine handvoll Springbrunnen, die in Intervallen bezaubernde Wasserfontänen in die Luft spucken, können nachts in bunten Farben beleuchtet werden. Hier träumen sich die Bosse sogleich die Farben ihres Corporate Designs in die Szenerie. Dieser Gedankengang kann selbstverständlich durch ein paar Fahnenmaste befördert werden, an denen man schon die entsprechenden Flaggen im Miniformat platziert hat. Eine schicke Brücke, über die alle gehen und sich dabei an einem zwar unpraktischen, aber unheimlich außergewöhnlichen Designergeländer festhalten müssen, erspart der Geschäftsführung den aufwändigen und teuren Fährbetrieb. Ein paar exotische Pflanzen hier und da runden das Bild ab - bis nach dem ersten Winter. Dann kann man das empfindliche Gestrüpp ja immer noch durch eine Linde und ein paar Weißdornbüsche ersetzen. Aber eigentlich kümmert sich die Natur ja selbst um ihr Ressort.
Sollten die Auftraggeber sich trotz all der lustigen Gimmicks auf dem Modell und der musikalisch unterlegten Powerpointpräsentation nicht blenden lassen, kommt nur noch ein letzter Trumpf für das Eingangsensemble in Frage. Dann hilft nur noch eine völlig abgefahrene Skulptur. Ein unerklärliches Gebilde, in dem man alles oder nichts sehen kann. Ein Monstrum, das sich über gewöhnliche Ästhetikbegriffe hinwegsetzt und einfach nicht zu übersehen ist. Als zusätzliches Argument zieht hier auch der immer wieder gern beschworene Wiedererkennungswert. In Berlin Marzahn hat man damals in den Achtzigern im Rahmen des Wohnungsbauprogramms 7289 mal das gleiche Haus gebaut. Das war einfach und vergleichsweise preiswert. Als dann die ersten Leute eingezogen waren und sich andauernd die Kinder auf dem Heimweg verliefen, kam man auf die einfache aber zielführende Idee, an die Hauseingänge lustige Kinderbilder zu malen: Pittiplatsch, Schnatterinchen und ihre Freunde oder auch Hämmer, Sicheln, Ährenkränze. Die Kinder konnten sich daran orientieren und fanden sich schnell wieder zurecht. Dieses Prinzip funktioniert auch mit architektonisch einander ähnlich anmutenden Banktürmen. Es muss nur alles sehr viel größer, glänzender und undurchschaubarer sein.

Alles richtig gemacht hat man, wenn der Geschäftspartner zum Taxifahrer sagen kann: „Fahren Sie mich bitte zur DZ-Bank! Sie wissen schon, das ist der hässliche Glaskasten an der Ecke, wo der riesige spanische Stahlhelm auf dem Tümpel steht.“ Und der dann so: „Sí, claro. Keine Problem!“